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Skatbrüder gespannt auf neue Zimmerdamen im "Hahn"

Ein Redakteur der "Freien Presse" hat sich bei den Hennersdorfer Ortsmeisterschaften im Skat unter die Teilnehmer gemischt.

Der Mann im Gelben Trikot heißt Siegfried Kempe. Sein Vorsprung auf die Verfolgergruppe beträgt rund 200 Punkte. Das gab "Rennleiter" Udo Haußmann nach der Hälfte der Distanz bei den offenen Hennersdorfer Ortsmeisterschaften im Skat bekannt. Gelbes Trikot und Skat?

Dass bei der Stecherei im Zschopautal der Übergang zwischen verschiedenen Sportarten wie immer fließend sein wird, war klar. Schließlich saßen nicht nur reine Skatbrüder an den Tischen, sondern Ex-Torhüter, die Mutter eines Schachspielers, Sportlehrer, Biathlon-Fans, Angler, Sportmoderatoren, Volleyballer, jede Menge Fußballfachkompetenz, aber auch einige Anhänger anderer Vereine als dem Chemnitzer FC sowie eben Radsportexperten. Ein explosive Mischung.

Die Luft stand im Obergeschoss des Vereinshauses des Augustusburger Ortsteils. Wie in einer Umkleidekabine nach einem Kreispokal-Endspiel mit Verlängerung und Elfmeterschießen, meinte einer. Die Fenster blieben freilich zu. Schließlich wollte sich keiner der 20 Hochleistungssportler zu Saisonbeginn der Gefahr einer Erkältung aussetzen. Außerdem hätte es ja auch den Skat vom Tisch wehen können.

Nicht aber vom Tisch 1. Hier saß ich in der 1. Serie unter anderen mit Reiner Rechenberger - angeblich der erste Eppendorfer bei einem Skatturnier in Hennersdorf. Und der Sportexperte sorgte schnell für klare Regeln. Und die Worte der "Stimme des Erzgebirges" - Rechenberger moderierte nicht nur Fußballspiele fürs Radio, sondern auch Radrennen durch die Region - hatten Gewicht. Das Kartenglück war dem Skatfreund diesmal jedoch nicht hold. Da half es auch nicht, als der gelernte Schmied versuchte, die Brechstange auszupacken. Karten geben konnten aber alle gut am Tisch.

So bekam ich vier unverlierbare Null ouvert auf die Hand sowie zwei prächtige Grand, davon einen mit Vieren, die ich ebenfalls ganz entspannt herunterspielen konnte. Und Fortuna saß mir weiter auf dem Schoß. Am Ende hatte ich 14 Spiele, alle 14 gewonnen und 1580 Punkte auf dem Konto, was mich vor der 2. Serie in den Windschatten des Mannes im Gelben Trikot spülte.

Der bekam nach der Halbzeitpause schwere Beine. Zwar erhielt Siegfried Kempe am Ende die Prämie für die beste Serie (1783), doch auf der zweiten Etappe ging dem "Sprinter" aus Erdmannsdorf in den Bergen die Puste aus. Mit 670 Zählern in der 2. Serie rettete sich der mit allen Wassern gewaschene Sportexperte gerade noch so aufs Treppchen.

Allerdings hatte der 77-Jährige noch genügend Luft, um seinen Erzgebirgsrundfahrt-Moderatorenkollegen Reiner Rechenberger aufzumuntern, der am Nachbartisch zur Aufholjagd angesetzt hatte: "Im ,Goldenen Hahn' soll es neue Zimmerdamen geben." Über Kempes Insider-Wissen musste sogar Ina Jeziak schmunzeln, die einzige Frau in der Männerunde. Die Augustusburgerin schlug sich übrigens tapfer und nahm als Gesamtelfte (1639) noch eine Schneeschippe mit nach Hause. Denn bei dem von den Volleyballern des Hennersdorfer SV organisierten Skatturnier erhält jeder Teilnehmer einen Preis.

Die Post an der Spitze war aber ohne die Skaterin aus dem Städt'l abgegangen. Die Entscheidung sollte auf den letzten Metern vor dem Zielstrich fallen. Im drittletzten Spiel hätte ich zwar sagen können, dass die Fahrbahn der Hennersdorfer Holzbrücke aus 254 Brettern besteht, aber jedoch nicht, wie viel Trumpf noch draußen ist. Denn beim Mitzählen hatte ich es offenbar genauso genau gehalten wie Udo Haußmann mit der Anzahl der Turniere. Der Vorsitzende des Hennersdorfer SV sprach von den "rund 20. Ortsmeisterschaften". So rutschte ich im Zielspurt von der Pedale und kassierte die erste und einzige Niederlage des Abends. Bodo Hänel aus Marbach wäre das nicht passiert. Der Skatfuchs zählt immer mit.

Die Ergebnisse der 20. Hennersdorfer Ortsmeisterschaften: 1. Falko Zille (Hohenfichte) 2763 Punkte, 2. Holk Dohle (Grünberg) 2657, 3. Siegfried Kempe (Erdmannsdorf) 2453, 4. Jürgen Einert (Augustusburg) 2375, 5. Rolf Babin (Marbach) 2294, 6. Udo Haußmann (Hennersdorf) 2196, 7. Peter Rochhausen (Marbach) 2088, 8. Stephan Fetzer (Hennersdorf) 2030, 9. Bodo Hänel (Marbach) 1925, 10. Ulf Reichenbach (Augustusburg) 1741

Quelle: Freie Presse; Lokalteil Flöha am 04.02.2015